Noach
17.10.2026
In Paraschat Noach heißt es, nachdem alle Lebewesen in die Arche gekommen waren: „Und Haschem schloss hinter ihm zu“ (Bereschit 7,16). Raschi bringt dazu die Worte unserer Weisen, Noach sei „von den Kleingläubigen“ gewesen: „Er glaubte und glaubte nicht‘, dass die Flut kommen würde“, und ging nicht in die Arche, bis das Wasser ihn dazu drängte. Erst als der Regen schon eingesetzt hatte, brachte ihn G'tt in die Arche und schloss hinter ihm zu.
Die Kommentatoren tun sich mit diesen Worten schwer. 120 Jahre lang baute Noach an der Arche, auf G'ttes Befehl und im Wissen um das kommende Gericht – und er soll nicht geglaubt haben, dass die Flut kommt? Wie ist das möglich?
Um dies zu verstehen, beginnen wir mit einer anderen Stelle. Zu Jom Kippur in Mussaf und zu Tischa beAw in einer der Kinot erwähnen wir die Zehn Märtyrer, die „Assara Harugej Malchut“. Dort wird erzählt, dass der Feind zuerst Rabban Schimon ben Gamliel und Rabbi Jischmael Kohen Gadol hinrichten ließ. Jeder der beiden bat darum, als Erster getötet zu werden, um den Tod des anderen nicht mitansehen zu müssen. Man warf das Los, und es fiel auf Rabban Schimon ben Gamliel. Nachdem er getötet worden war, nahm Rabbi Jischmael Kohen Gadol dessen Haupt, weinte und klagte: „Wehe, die Zunge, die mit schönen Worten lehrte – wie leckt sie nun den Staub!“
Die Kommentatoren fragen: Rabbi Jischmael war Kohen, und einem Kohen ist es verboten, sich an einem Toten zu verunreinigen. Wie konnte er das Haupt von Rabban Schimon ben Gamliel in die Hände nehmen?
Eine der Antworten lautet: Darf ein Kohen sich an einem Toten verunreinigen, wenn er dadurch ein Leben rettet? Angenommen, in einem Raum liegen ein Verstorbener und ein Verletzter, und der Kohen ist Arzt – darf er hineingehen, um den Verletzten zu behandeln? Selbstverständlich, denn Pikuach Nefesch, die Rettung eines Lebens, geht vor. Genau das tat Rabbi Jischmael. Es war vereinbart, dass er unmittelbar nach Rabban Schimon ben Gamliel getötet würde. Indem er das Haupt seines Gefährten nahm, weinte und klagte, mussten die Henker einige Minuten warten. So gewann Rabbi Jischmael um seines eigenen Lebens willen noch einige Minuten – und in diesen Minuten betete er zu G'tt und flehte um Erbarmen für das jüdische Volk.
Genau dies geschah auch bei Noach. Noach dachte: Wenn ich noch nicht in die Arche gehe und der Regen bereits fällt, werden die Menschen vielleicht doch noch umkehren. Unsere Weisen lehren, dass der Regen zunächst als Regen des Erbarmens begann – hätten sie Tschuwa gemacht, wäre er zu einem Regen des Segens geworden. Die Tiere waren bereits in der Arche, ebenso seine Frau, seine Söhne und deren Frauen; nur Noach blieb draußen stehen. Die Menschen standen daneben und schauten zu. Und Noach dachte: Soll es wirklich so weit kommen? Werden sie jetzt, im letzten Augenblick, nicht umkehren? Ich warte noch eine Minute, noch zwei, bevor ich hineingehe – denn dann ist die Sache besiegelt. Vielleicht aber genügt gerade diese eine Minute, damit sie Tschuwa machen.
Das ist die Bedeutung von „er glaubte und glaubte nicht“: Noach zweifelte nicht an G'ttes Wort, sondern er konnte nicht glauben, dass die Menschen nicht doch noch umkehren würden – und solange sie umkehren konnten, musste die Flut nicht kommen. Doch sie kehrten nicht um, „und Haschem schloss hinter ihm zu“.
So wie Rabbi Jischmael Kohen Gadol noch einige Minuten gewann, um für sein Volk zu beten, so zögerte auch Noach noch einige Minuten – nicht aus mangelndem Glauben, sondern um den Menschen, wenn sie nur wollten, die Möglichkeit zur Umkehr zu geben. Solange die Tür offen ist, ist es nie zu spät.
Tfilazeiten Tischrej 5787
Hier finden Sie die Tfilazeiten im Beit Knesset der Misrachi zu den Feiertagen im Tischrej 5787/2026.
Schabbatzeiten 5787
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Kidduschim & Se'uda Schlischit
Die Misrachi bieten Ihnen die Möglichkeit, aus Anlass einer Jahrzeit oder eines
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