Die vier Paraschot vor Pessach
Vor Pessach gibt es vier besondere Schabbatot, an denen man den Maftir (Abschluss der Toralesung) nicht aus dem laufenden Wochenabschnitt liest, sondern einen anderen Text, der uns an das Leben in Israel zur Zeit des Tempels erinnert. Das Besondere an diesen vier Schabbatot ist, dass wir ein Stück des Lebens in der Zeit des Bet Hamikdasch wenigstens verbal miterleben und begreifen können. Es geht um die Vorbereitungen des neuen Jahres im Bet Hamikdasch und die Vorbereitung auf Pessach und die Darbringung des Pessach-Opfers (Korban Pessach). Die Quellen für die 4 Schabbatot finden wir im Talmud Bawli (Megilla 29a-30b).
Der erste dieser Schabbatot ist „Schabbat Schkalim“ (Schmot 30, 11-16). An dem Schabbat vor Rosch Chodesch Adar liest man in der Tora den Abschnitt über das Beisteuern jedes Mannes über 20 Jahren von einem halben Schekel für die Kassa des Bejt HaMikdasch (der Heilige Tempel in Jerusalem). Mit diesem Geld wurden die täglichen Opfergaben (Olat Tamid) für den Heiligen Tempel finanziert. Und da es sich dabei um Opfergaben des gesamten Volkes handelte, war es auch wichtig, dass wirklich jeder Einzelne, ob reich oder arm, diesen Betrag von einem halben Schekel leistete. Der Arme sollte nicht weniger und der Reiche nicht mehr als diesen Betrag beisteuern, damit die Einheit des Volks gewahrt bliebe und keine soziale Kluft innerhalb der jüdischen Gemeinschaft aufgehen solle.
Purim
Haman ließ im Namen des Königs anordnen, dass am 13. Adar alle Juden, Frauen und Männer, Kinder und Greise, vernichtet werden sollen. Mordechai informierte Esther, die am Hof lebte, von dieser drohenden Katastrophe und forderte sie auf, sich beim König Achaschwerosch für das jüdische Volk einzusetzen. Esther wollte diesem Wunsch aber nicht entsprechen, denn wie sie sagte wurde sie schon längere Zeit nicht vom König vorgeladen, und selbst für sie war es gefährlich, ohne Erlaubnis vor dem König zu erscheinen. Mordechai entgegnete Esther daraufhin sehr energisch, dass das Volk auf jeden Fall gerettet würde - wenn nicht durch sie, Esther, dann würde sich jemand anderer finden. Sie aber und ihre Familie würden untergehen und außerdem erklärte Mordechai, dass es ja gut sein könne, dass Esther gerade zur Rettung des jüdischen Volkes aus dieser Gefahr an diese Position als Königin des persischen Reiches gekommen ist.
Der Malbim thematisiert, weshalb es Mordechai hier so eilig hatte. Das Edikt wurde im Nissan erlassen, die Vernichtung des Volkes war aber erst für Adar, elf Monate später, geplant. Sicher wäre Esther in einigen Tagen oder Wochen zum König gerufen worden. Hätte es nicht gereicht, wenn Esther dann interveniert hätte.
Doch Mordechai wusste, dass G'tt jeder Plage ihr Heilmittel voranschickt. Das bedeutet: Noch bevor G'tt etwas schlechtes auf die Welt bringt, hat er die Lösung für das Problem bereits vorbereitet. Mordechai verstand nicht, weshalb Esther, ein gutes jüdisches Mädchen, an den Königshof beordert wurde und nun die Ehefrau des Königs sein musste. Doch er wusste, dass es einen Plan geben müsste und so ging er tagtäglich zum königlichen Hof und informierte sich über Neuigkeiten. Als er nun von der Katastrophe hörte, verstand er sofort, was Esthers Aufgabe war. Er wusste aber auch, dass G'tt eine Zeit festgesetzt hatte, in der Esther ihre Aufgabe erfüllen konnte. Wenn sie sich nicht dazu bereit erklären würde, standen schon andere Personen bereit, die G'ttes Plan umgesetzt hätten. Doch da Esther dann ihre Aufgabe, für die sie auf die Welt kam und für die sie zur Königin wurde, nicht erfüllt hätte, wäre es ihr Untergang gewesen. Deshalb war es Mordechai so wichtig, dass Esther sich beeilte und nicht auf eine Initiative des Königs wartete.
Tezawe
In Paraschat Ki Tissa, die nächste Woche aus der Tora gelesen wird, fordert Mosche G'tt auf, dem Volk nach der Sünde vom Goldenen Kalb zu verzeihen - oder ihn aus der Tora zu streichen. G'tt verzeiht dem Volk und deshalb wurde Mosches Name nicht aus der Tora entfernt. Es gilt aber der Grundsatz, dass der Fluch eines Zadiks trotz auflösender Bedingung bestand hat. Da Mosche G'tt, wenn auch unter einer Bedingung, aufgefordert hat, aus der Tora gestrichen zu werden, wurde er (nur) aus der Parascha dieser Woche gestrichen. Doch warum eigentlich aus der Parascha dieser Woche, und nicht viel nahe liegender kommender Woche, bei dem Abschnitt, in dem diese Aussage Mosches vorkommt? Eine bekannte Erklärung des Gaon von Wilna besagt, dass Paraschat Tezawe wie jedes Jahr in die Woche der Jahrzeit (Todestag) nach Mosche Rabenu (7. Adar) fällt.
Inhaltlich dreht sich die Parascha dieser Woche vor allem um die Gewänder des Kohen Gadol (Hohepriester). Ursprünglich war Mosche Rabbenu als erster Kohen Gadol vorgesehen gewesen. Da er sich aber zunächst weigerte, zum Pharao nach Ägypten zu gehen, um sein Volk zu befreien, wurde diese Aufgabe stattdessen seinem Bruder Aharon zu teil. Um Mosche nun aber nicht mehr als nötig damit zu verletzen, dass er sich um die Herstellung der Kleider kümmern soll, die ursprünglich für ihn bestimmt waren, nun aber seinem Bruder zustehen, wurde diese Aufgabe von anderen erledigt, und Mosche in der ganzen Parascha, die sich damit beschäftigt, gar nicht erwähnt.
Schabbatzeiten 5786
Sie können die Liste mit Zeiten für alle Schabbatot und Feiertage für das Jahr 5786 als PDF-Datei herunterladen, genauso wie die Liste der halachischen Zeiten (Smanim) für das ganze Jahr.
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